Pfeil Icon

Kulturwerft Harburg

Den Binnenhafen neu denken - Eine Vision für die Zukunft

Ideengeber: Werner Pfeifer 
Designteam: Heidi Fletcher, Carl Fletcher, Yannik Behrmannn, Serena Stark, Victor Klingmüller 
Konzeptbearbeitung: 2026 
Fotos: Architekten 

Den Binnenhafen neu denken

Das Gebiet um den Staatlichen Werfthafen in Harburg birgt erhebliches Entwicklungspotenzial. Gleichzeitig gilt es, den einzigartigen Charakter des Ortes zu bewahren und gleichzeitig Raum für neue Nutzungen, Begegnungen sowie ein lebendiges Quartier zu schaffen. Unser Entwurf versteht sich nicht als abgeschlossenes Konzept, sondern als Ideen- und Maßnahmenpool. Er präsentiert alternative Visionen für den Binnenhafen und soll dazu anregen, die Zukunft des Ortes neu zu gestalten. Dabei setzen wir nicht auf eine radikale Neugestaltung, sondern auf Umbau, Umnutzung und gezielte Neubauten als Ergänzung. Bestehende Strukturen werden aufgegriffen und durch innovative Nutzungen revitalisiert. Kultur entsteht dort, wo Raum für Begegnung und Eigeninitiative geboten wird. Nicht alles muss sofort umgesetzt werden. Durch gezielte Schritte kann sich der Werfthafen schrittweise zu einem lebendigen, vielfältigen Ort entwickeln, einer der seinen Charakter bewahrt und gleichzeitig neue Impulse für Harburg setzt.

Werftwerk

Das Werftwerk könnte sich zu einem lebendigen Zentrum für Kreativität, Handwerk und Austausch entwickeln. Bestehende Strukturen des Werfthafens würden dabei zu Werkstätten, Studios und Verkaufsflächen für Kunst und Handwerk umgenutzt, und so den einzigartigen Charakter des Hafens auf neue Weise fortschreiben. Geplant sind unter anderem Holz- und Metallwerkstätten, offene Ateliers für digitale Fertigung und 3D-Druck, eine Glaserei, eine Kleinproduktion für den Wassersport sowie Studios für Kunst und Handwerk. Besonders Projekte mit Bezug zu Hafen, Schiffbau, Wasser oder Harburg fänden hier einen idealen Ort. Zu festgelegten Zeiten könnte sich das Werftwerk als Kreativmarkt öffnen. Produktion, Ausstellung und Verkauf würden so miteinander verknüpft, und die Arbeit vor Ort erlebbar und sichtbar machen. 

Werftbühne

Die Werftbühne verwandelt die denkmalgeschützte Querslipanlage in einen lebendigen Veranstaltungsort für Performance, Musik und Austausch. Die historische Struktur wird multifunktional als Publikums- und Sitzplattform genutzt und durch eine Wasser-Bühne ergänzt. In ihrer Atmosphäre orientiert sich die Werftbühne am „Kampnagel-Gefühl“: rau, kreativ, provokativ und experimentell, ein Ort für große Ideen auf kleinstem Raum. Ergänzt werden könnte das Konzept durch Artists-in-Residence-Räume, Probebühnen sowie Bereiche für Kostümproduktion, um die Entstehung von Kunst direkt mit ihrer Aufführung zu verbinden. Die flexiblen, verschiebbaren Plattformen bieten zudem Raum für Außen-Cafés oder Flächen im Wasser zum Sonnen und Baden. 

Schwimmwerft

Die Schwimmwerft könnte der Nachbarschaft einen öffentlichen Zugang zum Wasser ermöglichen. Die bestehenden historischen Stege würden zu einem attraktiven Schwimm- und Aufenthaltsort weiterentwickelt. Eine einfache Infrastruktur mit kleinen Umkleidehäuschen (inklusive Toiletten und Schließfächern) sowie gegebenenfalls einem kleinen Kiosk würde den Ort am Ufer nicht nur zu einem Platz für Sport und Spaß, sondern auch zu einem sozialen Mittelpunkt am Wasser machen. Um die Wasserqualität zu verbessern, könnten Naturpontons zum Einsatz kommen, 

 

inspiriert von anderen Projekten wie der „Grünen Schute“. Diese setzen auf ausgewählte Wasserpflanzen, die Nistplätze und Lebensräume für Fische und Insekten bieten. Das fördert nicht nur die Wasserqualität, sondern trägt gleichzeitig zu einer ökologischen Aufwertung des Gebiets bei. Eine Wasserampel könnte zudem transparent über die aktuelle Wasserqualität informieren. 

Werftwohnen

An der Nordspitze der Insel könnten vielfältige Wohnformen für ein lebendiges Miteinander entstehen, das unterschiedliche Lebensentwürfe vereint; Hausreihen für große Familien und Mehrgenerationen-Projekte mit eigenen Gärten, Genossenschaftswohnungen mit gemeinschaftlich genutzten Freiflächen sowie Sozialwohnungen. Ein kleinparzelliges Verpachtungsmodell würde individuelle Gestaltung und Entwicklung ermöglichen. Dies würde eine abwechslungsreiche, organisch gewachsene, fast dörfliche Identität fördern. Gemeinsame Freiräume und Gärten, werden gemeinschaftlich gepflegt. Dies fördert eine lebendige und vielfältige Nachbarschaft. 

Quartiers Treffpunkte

Auch die angrenzenden Bereiche des Binnenhafens ließen sich durch gezielte, kleine Interventionen beleben. Am Veritaskai könnte der beliebte ehemalige Beachclub an seinem ursprünglichen Standort ein Comeback feiern. Gleichzeitig bietet der Treidelweg Potenzial, schrittweise zu einem lebendigen Quartierstreffpunkt mit Sportangeboten und einem Food-Markt zu wachsen. Erste Schritte wären Begrünung, Baumsetzungen, öffentliche Grills oder eine Skatebahn. Später könnten Verschattungsstrukturen, eine Gemeinschaftstafel und erste Marktstände den Ort weiter aufwerten. Ein Treidel-Foodmarkt könnte landwirtschaftliche Betriebe aus der Harburger Umgebung anziehen und so lokale Produktion, gemeinschaftliches Essen, Sport und Nachbarschaft verbinden. 

Quartiers Aktivierung

Damit die verschiedenen Nutzungen des Binnenhafens zusammenwachsen, braucht es verbindende Orte und Wege. Kleine, wiederkehrende Interventionen könnten die Atmosphäre des Hafens nachhaltig prägen und die Erschließung des Gebiets aufwerten. Das Blaue der Werftarchitektur ließe sich als durchgängiges Gestaltungselement nutzen – etwa in Form von Sonnensegeln, Wimpelketten, Blumenkästen oder Calisthenics-Geräten. So entstünden entlang der Wege wiedererkennbare Mikroorte zum Bewegen, Begegnen und Verweilen. Auch die historischen Hallen am Ziegelwiesenkanal bieten Chancen für eine schrittweise Aktivierung. Sport könnte hier zum Motor des Quartiers werden: Ein Parkour Ausrüstung an der Fassade, temporäre Nutzungen in Teilbereichen der Hallen mit Sportangeboten sowie perspektivisch ein multifunktionaler Sportraum würden neue Gemeinschaften schaffen. Besonders für Jugendliche entstünde so ein attraktiver Ort für Austausch und Begegnung. 

Für weitere Informationen und vertiefende Einblicke in die einzelnen Entwurfsideen laden Sie unsere vollständige Projektbroschüre als PDF herunter: KulturwerftHarburgBrochuere.pdf